Kunstrasen - Beratung

Der Einsatz von Kunstrasen als hochbelastbarer Fußballplatz hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die guten Spieleigenschaften in Verbindung mit dem geringen Verletzungsrisiko schieben so den alten Hartplatz (Tennenplatz, Aschenplatz) auf das Abstellgleis. Nachfolgend werden aktuelle Kunstrasen vorgestellt und verglichen:

Kunstrasen der 1. und 2. Generation

Kunstrasen gekräuseltBei diesen Systemen handelt es sich um unverfüllten Kunstrasen oder um mit Sand verfüllten Kunstrasen. Das in den Anfangszeiten des Kunststoffrasens bekannte Problem der Rutschbrandverletzungen ist durch Einsatz besserer Kunststoffe weitgehend gelöst. Durch die Neuregelung im Umgang mit Mikroplastik sind diese Systeme aktueller denn je.

Kunstrasen der 3. Generation

Der letzte große Entwicklungsschritt teilte die Verfüllung der Kunststoffhalme in eine unten liegende Sandschicht und eine darüber liegende Kunststoff-Granulat-Füllung. Kunststoffgranulate fallen jedoch unter die Definition von Mikroplastik und sind nicht mehr in die Umwelt einzutragen. Es verbleibt der Einsatz von natürlichen Granulaten, hier gibt es bereits gute Erfahrungen mit Kork. Weiterhin werden Versuche mit Alternativlösungen aus Kokos und Olivenkernen durchgeführt. Es bleibt abzuwarten, welche Materialien sich hier bewähren werden.

Einsatz heute

Der große Vorteil von Kunstrasenplätzen liegt in der höheren Belastbarkeit in zweierlei Hinsicht:
- Kunstrasen benötigt keine Ruhepausen zum Nachwachsen.
- Kunstrasen ist auch bei dauerfeuchtem Winterwetter intensiv bespielbar

In den DFB-Empfehlungen für Kunststoffrasenplätze wurden verschiedene Kunstrasenprodukte systematisch auf ihre Spieleigenschaften untersucht. Dabei wurden die modernen Kunstrasen der dritten Generation als gut - sehr gut bespielbar bewertet. Sie sind damit sehr nah am Spielgefühl des Naturrasens. Das schlechte Image des Kunstrasens als verletzungsträchtiger Sportbelag ist ein Relikt der veralteten Produkte erster und zweiter Generation. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Artikel "Verletzungsrisiko Kunstrasen?".

Beratung Kunstrasen-Kosten: Bau und Unterhaltung

Die folgende Tabelle zeigt Investitions- und Unterhaltungskosten in der Übersicht:


Naturrasen

Tennenplatz

Kunstrasen

Baukosten in Eur

180.000

200.000

340.000

jährliche Unterhaltungskosten in Eur

22.000

14.500

6.000

Nutzungszeit in Stunden / Jahr

400h

1.200h

>2000h

(Baukosten /10Jahre +Unterhaltung)/
Nutzungsstunden

100 Eur

28,75 Eur

20,00 Eur


Eine ausführliche Darstellung dieser Kosten finden Sie im Artikel Naturrasen - Tennenfläche - Kunstrasen: Preis und Leistung

Beratung: Pflege und Haltbarkeit

Im Vergleich zum Naturrasen ist der Pflegeaufwand für Kunstrasen sehr viel geringer. Es fallen keine Mäh- und Düngearbeiten an. Die Linierung ist permanent vorhanden und stark belastete Bereiche sind leicht und ohne Anwuchszeiten wieder herzustellen. An regelmäßigen Arbeiten steht das Glätten und gleichmäßige Verteilen des Gummigranulats an. Auch das regelmäßige Absammeln von Laub schützt den Kunstrasen nicht davor, über die Zeit hinweg Schmutz anzulagern und einen Lebensraum für Algen und Moose darzustellen. Diese müssen dann durch das Ausspülen und Reinigen das Granulats mit Spezialfahrzeugen entfernt werden. Eine Bewässerung ist nicht zwingend notwendig, verbessert aber die Bespielbarkeit im Hochsommer, wenn die trockene Fläche bei austauscharmen Wetterlagen ein überhitztes Mikroklima entwickelt.

Zukünftige Entwicklung

Moderner Kunstrasen hat bereits heute den Hartplatz als Trainingsfläche verdrängt. Praktisch alle hochklassig spielenden Fußballvereine verfügen über diese Flächen zu Trainingszwecken. Und gerade im Profifußball ist davon auszugehen, dass besonders in den großen Stadien mit hoher Verschattung und geringem Luftaustausch der Kunstrasen den Naturrasen verdrängen wird. Gegenwärtig lizensiert die FIFA ausgewählte Produkte mit nachweislich guten Spieleigenschaften und erlaubt Ländervergleichsspiele bis zum Niveau der WM-Qualifikation. Die U-17 WM wird seit mehreren Jahren regelmäßig auf Kunstrasen gespielt. Aus Sicht der FIFA ermöglicht Kunstrasen auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen hochwertige und für alle Sportler faire Spielverhältnisse. Die unter Fans oft diskutierten Lizensierungsgebühren liegen dabei deutlich unter dem Mehraufwand für die Naturrasenpflege, zumal dieser in großen Stadien mehrfach in der Saison ausgetauscht werden muss.

Für den Amateursport bedeutet ein Kunstrasenplatz einen großen Schritt in die Zukunft. Unter dem Druck des demografischen Wandels ist die Herstellung hochwertiger Sportstätten ein wesentlicher Faktor, um im Wettbewerb der Vereine um Sportler zu bestehen. Die dabei fortschreitenden Konzentrationsbewegungen bevorzugen die Vereine mit hochwertigen Kunstrasenplätzen.

Kunstrasen und Mikroplastik

Sachstand August 2019 Die european chemical agency (ECHA) initiiert derzeit ein Verbot der Freisetzung von Mikroplastik in Europa.

Das Ziel ist gut, denn Plastik zersetzt sich in der Natur extrem langsam und gelangt unweigerlich in Nahrungsketten und damit auch in unsere Nahrung.

Was hat dies mit Kunstrasen zu tun?
Noch in 2017 hatte die ECHA bezüglich der Granulate „höchstens sehr geringen Anlass für Bedenken“. Erst mit dem Fokus „Mikroplastik“ erschließt sich für die ECHA Handlungsbedarf. Moderne Kunstrasensysteme haben einen mehrschichtigen Aufbau. Der bei Fußballern beliebte „Kunstrasen 3. Generation“ besteht in der obersten Schicht aus einem Granulat.

Folgende Stoffe kommen als Granulat zum Einsatz:

Bis auf das Korkgranulat, entsprechen diese Materialien der Definition von Mikroplastik. Die Freisetzung von Mikroplastik soll ausgeschlossen werden.

1. Wie groß ist das Problem?
Als Datengrundlage der Initiative wurde die Fraunhofer Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“ benannt. Als Grundlage für die Bemessung der Kunststoffemissionen verweist Fraunhofer auf eine norwegische Studie. Norwegische Kunstrasenplätze werden jedoch anders gebaut als Sportanlagen nach DIN (= nahezu alle deutschen Kunstrasenplätze). Während in Deutschland eine dauerhafte gebundene elastische Schicht eingebaut wird, stellen „die Skandinavier“ die Elastizität durch eine starke Granulatschicht her. Für die Studie wurden 15kg je m² benannt. In Deutschland werden zwischen 3,5kg und maximal 5kg /m² eingebaut. Dies reduziert die aktuelle Problematik in einer Größenordnung von 60-80 Prozent. Auch mit reduzierten Zahlen verbleibt ein Problem, es ist allerdings deutlich geringer als dargestellt.

2. Ließe sich die Freisetzung auch ohne Verbot reduzieren?

Ja, und zwar erheblich. Ein gutes Kunststoffgranulat verzahnt sich so, dass die Stollen der Fußballer „grip“ bekommen, oberflächlich aber auch eine Rollschicht besteht, die verletzungsmindernd bei Rutsch-Stürzen wirkt. Es ist daher immer von losem Granulat auszugehen. Beim Spiel und bei der Pflege der Sportanlagen kommt es regelmäßig zu Bewegung und insbesondere am Spielfeldrand zum Austrag. Weiterhin gelangt das Granulat in Kleidung und Schuhe und wird so von Spielern vom Platz getragen. Ausgetragenes Granulat gelangt zu einem gewissen Anteil in das Entwässerungssystem und kann über dieses in die Umwelt gelangen. Die folgenden Maßnahmen wären geeignet, diese Stoffausträge zu reduzieren:


In der Summe würden diese Maßnahmen den Austrag in die Umwelt so weit minimieren, dass im Vergleich zu anderen Emittenten (z.B.: Reifenabrieb, Pelletverluste, Textilabrieb), Kunstrasenplätze unbedeutend wären.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass diese Aussagen nach bestem fachlichen Gewissen getroffen sind, es zu diesem Thema aber leider keine belastbaren Studien gibt.

3. Welche Folgen hätte ein Verbot von Kunststoffgranulaten für den Fußball?
Bei Fortsetzung der Gesetzesinitiative würden Neubauten mit Kunststoffgranulaten unzulässig. Kunstrasenplätze mit Granulat wären ausschließlich mit Kork zu realisieren. Die Korkproduktion ist natürlich limitiert. Da dieses Gesetz EU-weit Geltung hätte, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Korkpreise sich so entwickeln, dass dieses Granulat wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein wird. Es verbleibt der sandverfüllte Kunstrasenplatz. Dieser ist sportfachlich akzeptabel, auch wenn im Spielkomfort Abstriche zu machen sind. Die 3 Vorteile des Kunstrasens: Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit bei widriger Witterung und hohe Belastbarkeit bleiben bestehen.

4. Wie wird das Verbot formuliert sein, wird es Übergangsfristen geben, dürfen bestehende Plätze weiter genutzt werden?

Gegenwärtig (Zeitpunkt August 2019) findet eine öffentliche Kommentierung statt, in der jeder EU-Bürger und jede Institution Stellung nehmen kann. Erst mit Auswertung der Kommentare wird der Gesetzestext schlussendlich formuliert und in das weitere Verfahren gegeben. Dieses soll so ablaufen, dass das Verbot planmäßig im Dezember 2019 ausgesprochen wird. Spekulativ zu erwarten ist das Verbot von Neuanlagen, sowie das Verbot des Nachfüllens bestehender Anlagen im Rahmen der Pflege. Die Fortnutzung bestehender Plätze wird höchstwahrscheinlich möglich sein. Granulatverfüllte Plätze die grundsaniert werden müssen (Austausch von Kunstrasen und Infill), können nicht erneut mit Kunststoffgranulat verfüllt werden.

Zusammenfassung:

Kunstrasen an sich ist nicht in Frage gestellt. Die Verfüllung mit Kunststoffgranulat wird voraussichtlich ab Dezember 2019 nicht mehr zulässig sein. Sandverfüllte Kunstrasenplätze bieten zwar weniger Spielkomfort, werden aber weiterhin als zuverlässige und hoch belastbare Sportflächen baubar sein.









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