Sport im Umbruch: was erwartet uns in den nächsten Jahren?

Das Sportangebot unterlag in den letzten 100 Jahren einem stetigen Wandel. Von Turnvater Jahn als Vorreiter einer Massenbewegung bis zu "Jogi Löw" als Ikone des professionellen Fußballs hat sich viel bewegt. Doch in diesem Artikel wird der Blick in die Zukunft gerichtet: was passiert mit dem Sport in den nächsten Jahren? Welche Auswirkungen hat der demografische Umbruch auf die Sportnachfrage? Wer wird wie wo Sport treiben? Wie werden die zugehörigen Sportanlagen aussehen? Wird sich das Ansehen des Sports in der Öffentlichkeit ändern? Die Prognose der Sportnachfrage wird dabei möglichst umfassend sein und auf den folgenden Ebenen betrachtet:

Auf Grundlage diverser Trendanalysen in Verbindung mit einer 2012 durchgeführten Delphi-Studie wird sich im Folgenden ein Bild zusammensetzen, dass es Sportanbietern heute erlaubt, die Weichen für ihre Entwicklung so zu stellen, dass sie im bereits laufenden Wandlungsprozess zu den Gewinnern gehören.


Bestimmend für das Sportangebot in den nächsten Jahren wird die Nachfrage sein. Hier sind klare Entwicklungen zu erwarten:
im Segment der berufstätigen Bevölkerung wird der Anteil der Bürotätigkeiten mit geringem Bewegungspotential weiter zunehmen. Daraus resultiert das weitere Wachstum gesundheitsorientierter Lifestyle-Sportarten mit dem Boom der Fitnesscenter an der Spitze. Da hier bereits ein reichhaltiges Angebot besteht ist mit einer quantitativen Zunahme nicht mehr zu rechnen. Das Angebot wird sich eher auf bestimmte Nischen spezialisieren. Der große Trend der nächsten Jahre ist im Zuge der demografischen Entwicklung im Seniorensport zu suchen. Die hier gefragten Sportangebote werden über die folgenden Eigenschaften verfügen: Das bisherige Angebot vom Walking über Boule bis zur Wirbelsäulen- und Kardiogymnastik wird sich um neue Sportarten erweitern, oder auch durch klassische Sportarten wie Tischtennis ergänzt. Hier werden neue Anbieter den Markt betreten, kommerzielle Elemente auch im Freiraum angeboten.
Der Vereinssport wird sich zunehmend dem Kinder-, Jugend- und Wettkampfsport zuwenden. Dabei wird besonders die Nachfrage nach gut ausgestatteten Vereinen wachsen, die den Kindern ein sicheres und komfortabel ausgestattetes Sportumfeld bieten, möglicherweise sogar ein familiäres Betreuungsangebot unterhalten. Möglicherweise wird diese Nachfrage jedoch auch durch ein erweitertes Schulangebot befriedigt.

Zusammenfassen lassen sich die Trends durch die folgenden Thesen:
  • Der Sport insgesamt gewinnt an Bedeutung.
  • Der Anteil gesundheitsorientierter Sportarten wird steigen.
  • Der Anteil von Leistungs- und Wettkampforientierten Aktivitäten wird in allen Sportarten sinken.
  • Die Zahl der Sportarten wird weiter zunehmen.
Begleitend dazu wird die Bedeutung des Profisports in den Medien als identitätsstiftendes Gesellschaftselement steigen. Die Technisierung der Kinderzimmer führt dazu, dass sich die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder verschlechtert hat. Es ist zu befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Doch jeder Trend erzeugt auch Gegenbewegungen, so sind sich die Sportpädagogen darüber einig, dass die Bedeutung der Bewegungsangebote in den Schulen wachsen wird. Vor dem Hintergrund der Zunahme von Ganztagsschulen werden neue Formen von Sportfreianlagen entstehen. Ob damit die Lücke zwischen den nach wie vor vorhandenen sportbegeisterten Kindern und den kindlichen "Couch-Potatoes" geschlossen werden kann, bleibt gegenwärtig offen. Unklar ist auch die Frage, ob frei zugängliche Bewegungsräume im urbanen Umfeld weiter abnehmen werden. Allein um diese Frage zu beantworten, sind mehrere, zum Teil gegenläufige Trends zu analysieren:
  • demografische Veränderungen der Gesellschaft,
  • veränderte Bewertung von Sport und Gesundheit,
  • Ballungsräume mit städtebaulichem Wachstum auf der einen Seite,
  • sowie auch große Regionen, in denen komplette Generationen abwandern (innerdeutsche Migration)
Jeder dieser Faktoren ist geeignet, die Steigerung des Sportangebots zu begründen. Selbst die Abwanderung von Menschen, wie sie zum Beispiel in Brandenburg beobachtet werden kann, führt dazu, dass neue Sportanlagen als Mittel der Strukturförderung realisiert werden. Allein die Frage der Finanzierung wird nicht leicht zu lösen sein: Insider befürchten den Rückgang der Sportanlagenförderung durch die Öffentliche Hand. Flexible Sportvereine können diese Situation aber auch für sich nutzen: mit einem der Nachfrage angepassten Sportangebot wird es zukünftig leicht sein, die Mitgliederzahlen stabil zu halten. Die Zusammenarbeit mit Krankenkassen, Schulen und kommerziellen Sportanbietern wird ein breiteres Angebot ermöglichen. Vielleicht werden Sportvereine dann über ein Sportangebot im Altenheim den Jugendsport finanzieren?
Die bisher dargestellten Veränderungen im Sportverhalten werden sich mittelbar auch in der Gestaltung und Nutzung der Sportanlagen darstellen. Sicherlich wird die Vielfalt an Sportanlagen weiter steigen, neue Sportangebote werden in die bestehenden Anlagen integriert, wie dies in der letzten Dekade zum Beispiel mit "Beach-Feldern" passiert ist. Neue Sportentwicklungen werden sich dabei nur behaupten können, wenn sie sich in kostengünstiger Bauweise erstellen lassen. Möglichweise wird auch der Anteil mobiler Sportanlagen auf multifunktionalen Sportfeldern steigen. Hier kommen auf Sportvereine neue Aufgaben zu, die im Verbund mit der öffentlichen Hand, Krankenkassen, oder auch in "Public-Private-Partnership" neue Perspektiven eröffnen. Diese neuen Sportanlagen werden eine Vielfalt von Kriterien erfüllen:
  • ökologische Verträglichkeit,
  • hoher Komfort,
  • geringe Anschaffungskosten,
  • geringe Unterhaltungskosten,
  • variable Nutzung / Möglichkeit des einfachen Umbaus.
Während so auf der einen Seite eine Nachfrage nach neuen und neuartigen Sportanlagen besteht, belastet der Sanierungsbedarf traditioneller Sportstätten weiterhin die Budgets. Sicherlich werden hier sehr vielfältige Abwägungen zwischen Erhalt alter Anlagen und dem Bau neuer Anlagen stattfinden müssen.
Aber wie sieht er nun aus, der Sportplatz der Zukunft?

Der Sportplatz der Zukunft wird:
  • alle Generationen ansprechen,
  • als Ort mehr Funktionen erfüllen als Sport allein (z. B.: Kommunikation, Wellness, Lifesyle, Gesundheit),
  • Trendsportarten kurzfristig integrieren,
  • hohen Wert auch auf die Interessen von Mädchen, Frauen und Alten legen,
  • weniger durch rechtwinklige Spielfelder geprägt sein und,
  • sich zu einer Parklandschaft entwickeln.
Erste Prototypen dieser neuen Sportparks sind bereits in der Entwicklung. Interessanterweise sehen sie auf den ersten Blick dem gut 100 Jahre alten "Volkspark" sehr ähnlich, komprimieren diesen aber auf effektive Art und Weise.

Am Beispiel des Fußballs lassen sich die Auswirkungen dieser Trends beispielhaft darstellen: Ein Fußballfeld hat die Maße 68 x 105m, 2 Tore, und es spielen immer 11 Freunde gegen andere 11 Freunde. Das war schon immer so, und das wird sich auch nicht ändern. Eine von vielen Fußballweisheiten, die mir vom Feeling her ein schlechtes Gefühl bereiten. Welche Probleme haben Fußballvereine denn derzeit? In Gesprächen mit vielen Vereinen habe ich immer wieder 2 Gemeinsamkeiten festgestellt:
  • der Mädchen- und Jugendfußball boomt
  • die "Alten Herren" werden nicht mehr voll.
Während die Versorgung der fußballwütigen Kinder mit entsprechenden Sportanlagen im Prinzip nur eine Frage der Finanzierung darstellt, ist das Problem mit dem Rückgang der Spielerzahlen im Erwachsenenalter schon schwieriger. Zeitlicher Aufwand, geringe Flexibilität, Verletzungsgefahr und Leistungsdruck während der Freizeit nehmen dem heiligen Rasen seinen Glanz. Da dies in fast allen Vereinen geschieht, kommt es dazu, dass viele Mannschaften nicht mehr voll werden. In der ersten Not werden Spielvereinigungen gebildet, aber auf Dauer sind ganze Sportplätze für halbe Mannschaften nicht mehr zu unterhalten. Dabei zeigen Freizeitkicker bereits heute, wohin der Trend geht: moderne Fußballhallen mit Eventcharakter haben auf viele Fußballer eine geradezu magische Anziehungskraft. Liegt es am Kunstrasen, am Großbild-TV, oder an der Musik im Hintergrund? Meiner Meinung nach sind diese Dinge zwar nicht unwichtig, aber im Zentrum steht der zwanglose Zugriff auf ein Spielfeld, welches noch dazu so angenehm klein ist, dass stets Torgefahr besteht. Für "Socca Five" braucht es ganze 10 Spieler, keine 22 + Ersatzbank + Schiedsrichter. Das geht vergleichsweise einfach. Und international feiern Varianten wie Futsal und Beach-Soccer derzeit ungeahnte Popularität. Der DFB hingegen propagiert von den Bambinis bis zur D-Jugend noch 7 Spieler je Mannschaft auf Spielfeldern mit einer Länge von 32 bis 70m. Dafür baut er aber nebenher 1000 Miniplätze, die mit 20*13 wiederum so klein geraten sind, das nicht wenige Kritiker hier nur die Verwendung im Kindergarten- und Grundschulalter sehen. Aber die Realität wird diese Kritiker einholen, ich bin sicher, dass diese Miniplätze Teil eines Trends sind, der zu kleineren Spielfeldern führt. Ob in 10 Jahren vermehrt auf Halbfeldern gespielt wird, oder Ligen mit kleineren Mannschaften starten ist abzuwarten. Nur eins ist sicher - wenn es auf den demografischen Wandel keine Reaktionen gibt, dann reduziert dieser ganz von selbst die Zahl der Mannschaften und Ligen.

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