Kastanienkrankheit(en): die Kastanienminiermotte und die Kastanienkrankheit

Die weißblühende Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) hat es zur Zeit sehr schwer: gleich 2 neue Schädlinge machen ihr schwer zu schaffen. Seit Beginn des Jahrhunderts ist die Kastanienminiermotte dabei, ihr jedes Jahr aufs neue frühzeitig das Herbstkleid zu verpassen. Dazu nachfolgend eine Menge Informationen.

Anschließend gibt es dann noch Infos zur zweiten Kastanienplage: der durch das Bakterium "Pseudomonas" hervorgerufenen Kastanienkrankheit.

Der Lebenszyklus der Kastanienminiermotte

Die Larve der Kastanienminiermotte (Bild anklicken für ein größeres Bild)In diesem Jahr bietet die Rosskastanien erneut einen traurigen Anblick. Wer genau hinschaut erkennt, das die schönen Bäume von einem Schädling befallen werden. Es handelt sich dabei um die Kastanienminiermotte. Diese befällt bereits im Frühjahr die Blätter, sticht diese an und legt ein Ei unter die Blattoberfläche. Aus diesem schlüpft bald eine Larve, die zwischen den Blattadern das Innere des Blattes aushöhlt, sich dann verpuppt um als Motte den Paarungsflug aufzunehmen, und eine neue Generation ihrer Art hervorbringt. Dieser Vorgang dauert zwei bis drei Monate, so dass es jedes Jahr drei Generationen dieses Schädlings gibt. Während die erste Generation im Frühjahr mit einer geringen Zahl an Eiablagen beginnt, wächst die Anzahl an Kastanienminiermotten über das Jahr hinweg stark an, so dass im Herbst ganze Kastanien leer gefressen werden. Die erstmals in Mazedonien gefundene Motte hat sich in ganz Mitteleuropa verbreitet wie kein anderer Schädling zuvor. Das hat sie mit zwei einfachen Trick geschafft: einerseits hat sie ihren Lebensrhythmus durch Mutation um 10 Wochen vorverlegt, so dass sie praktisch keine Fressfeinde hat, und andererseits schädigt sie ihre Wirtspflanze nicht so stark, dass diese zu Grunde geht.

Die Rosskastanie und die Kastanienminiermotte

Eingesponnen in Seide: das Stadium der Verpuppung. Die schwarzen Flecken auf der Blattunterseite sind der Kot der Larve.Die Kastanie speichert ihre Wintervorräte in den Monaten Juni und Juli. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Miniermotten noch nicht so stark entwickelt, so dass die Kastanie eine gute Rücklage für den Winter anlegen kann. In Jahren mit besonders starkem Befall kann es jedoch passieren, dass der Baum mit der stacheligen Frucht im Herbst erneut blüht, da er den starken Fraß der Larven erkennt und versucht, sich als letzten Ausweg zu vermehren. Diese sogenannte Notblüte führt zu einer Frostempfindlichkeit, die für den Baum von Nachteil ist. Weiterhin werden die Wintervorräte dezimiert. Glücklicherweise kommt dies nur selten vor. Bisher wurde nicht beobachtet, dass eine Kastanie an der Kastanienminiermotte eingegangen ist. Da die Kastanie in der Holzwirtschaft keine große Rolle spielt und die Schädigung aus Sicht der Wissenschaftler vorwiegend optisch ist, gibt es auch nur wenig Forschung zur Bekämpfung der Motte. Man weiß jedoch, dass sie Temperaturen über 39°C nicht verträgt und im Winter noch -21°C aushalten kann. Dennoch kommt nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der Motten über den Winter, so dass die von der ersten Generation des Jahres hervorgerufenen Schäden recht gering sind.

Gegenmaßnahmen: was ist zu tun, wenn die Kastanienminiermotte im eigenen Baum sitzt?

Die Kastanineminiermotte im Sonnenschein. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird für diesen Schädling nicht genehmigt. Versuche haben gezeigt, dass das Zusammenkehren der Blätter im Herbst den Befall im nächsten Frühjahr drastisch senkt. Dies ermöglicht der Kastanie, für den nächsten Winter gute Vorräte anzulegen. Allerdings können nie alle Blätter eingesammelt werden, da die Motte einige Kilometer zurücklegen kann um sich neue Bäume für die Eiablage zu suchen. Wichtig ist, dass die Blätter entsorgt werden, oder auf einen Kompost gelangen der auch 39° Wärme erzeugt. Dauerhaft entzieht man dem Baum mit diesem Verfahren jedoch wichtige Nährstoffe, da er die zersetzten Blätter über die Wurzeln wieder aufnimmt. Wir Menschen müssen uns daran gewöhnen, dass Kastanien schon im August einen traurigen Anblick bieten können, solange sich kein Insekt einfindet, welches die Kastanienminiermotte im Zaum hält. Wie lange das dauern wird, bestimmt die Natur. Zwischenzeitlich können wir uns damit helfen, die rotblühende Kastanie zu pflanzen, da die Larven der Miniermotte sich in ihren Blättern nicht entwickeln können. Vermeiden Sie das Pflanzen neuer Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Die Rotblühende Kastanie (Aesculus x carnea), Strauchkastanie (Aesculus parviflora) und Esskastanie (Castanea sativa) stellen zur Zeit die bessere Alternative dar.

Pseudomonas: die Kastanienkrankheit

Symptom der Kastanienkrankheit Nicht die Blätter sondern der Stamm vieler Kastanien wird gegenwärtig von einem Bakterium befallen. "Pseudomonas syringae" wird als häufigster Erreger von Experten benannt. Es gibt aber auch eine sehr ähnlich aussehende Infektion durch den Phyttophtera Pilz. Beiden gemeinsam sind schwarz verfärbte, nässende Stellen, oftmals mit aufplatzender Rinde. Einige Kastanien zeigen auch schüttere Kronen, teilweise absterbende Äste. Sofern jedoch die mangelnde Bruchsicherheit der Bäume kein Probem darstellt lohnt es sich abzuwarten - viele der von diesen Krankheiten betroffenen Bäume erholen sich wieder.

Leistungen und Informationen im Umfeld der Baumgutachten

Beratung und Planung im Sportstättenbau
Schäden an Kastanien - typsches Fraßbild