Trendsport und Sportstättenbau:
Interview mit Dr. A. Schildmacher

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Dr. Anne SchildmacherDr. Anne Schildmacher promovierte im Jahr 2000 mit dem Thema "Soziologische Trend­forschung“. In dieser Arbeit erforschte sie die Entstehung von Trendsportarten und analysierte die mögliche Entwicklung zukünftiger Trends. Gegenwärtig betreibt sie die Agentur 9pm-media im Bereich Sport und Marketing.

Frau Dr. Schildmacher (AS) was ist überhaupt ein Trendsport?
Trendsportarten werden so genannt, weil sie innerhalb kürzester Zeit sehr viele neue Anhänger finden. Sie lassen sich meistens schnell erlernen. Oft wird auch in den Medien intensiv darüber berichtet, je nach Sportart wird die Wirkung auf Körper und Geist herausgestellt, oder aber das intensive Erlebnis, der "Kick“.

Vor fünf Jahren haben Sie prognostiziert, dass die Trends im Sportbereich immer kurzlebiger werden, einander immer schneller ablösen. Lagen Sie richtig?
In den 70er und 80er Jahren konnten sich die sogenannten "Trendsportarten“ noch über die Dauer mehrerer Jahre halten. Betrachte ich heute den Bereich des Trendsports, so gibt es ein ungemein vielfältiges Angebot, da sind viele Sportarten dabei, die sich auch schnell wieder verabschieden werden. Die Prognose war ein voller Treffer.

Welche Trends sind gegenwärtig zu beobachten?
Einige der ehemaligen Trendsportarten haben sich im Sportangebot etabliert. Hier finden zwar organisierte Wettbewerbe statt, die Integration in die klassische Vereinsstruktur gestaltet sich allerdings als schwierig. Das gilt zum Beispiel für Skateboarding und BMX / Mountain-Biking. Aktuelle Trends werden – und das ist sehr interessant - nicht von der Jugend, sondern von den sogenannten Alten geprägt. Nordic Walking und der Wellness-Boom sind definitiv keine Kinder des Jugendkults. Tennis hat stark an Bedeutung verloren, Golf wird stetig Anhänger gewinnen. Alles in allem sind Sportarten mit vergleichsweise geringen körperlichen Ansprüchen auf dem Vormarsch. Im Bereich von Jugend und jungen Erwachsenen kann das bis zum E-Sport gehen (Anm. der Redaktion – Computerspiele im Netzwerk).

Wie sieht es mit der Deutschen liebstem Kinde, dem Fußball, aus?
Der Fußball boomt im Kinderbereich beiderlei Geschlechts. Die Entwicklung des Damenfußballs wird sehr positiv bewertet. Dem gegenüber steht jedoch ein drastisches Absinken der Aktivenzahl bei den Ü32 Spielern. Der Fußball als Ganzes wird jünger und weiblicher.

Wie können Sportvereine diese Tendenzen für sich nutzen?
Hier gibt es keine Patentrezepte. Sportvereine sind meist sehr empfindliche Strukturen, bei denen vieles vom Engagement weniger Macher abhängt. Gegenwärtig sind viele Vereine sehr wettkampforientiert aufgebaut. Es ist wichtig, die Gemeinschaft und Geselligkeit herauszustellen. Trends können aufgegriffen werden, hier gilt es, die kurzlebigen Trends der Jugend genauso zu ermöglichen, wie die etwas gesetzteren Trends im "all generations“ Segment. Sportvereine sollten sich möglichst vielfältig beraten lassen. Am besten durch unabhängige Berater im Sportstättenbau, denen es nicht im Sinn steht für viel Geld aufwändige Anlagen zu realisieren. Experten setzen auf langjährige Kundenbetreuung und schnüren dem jeweiligen Sportverein ein maßgeschneidertes Paket, in dem die vorhandenen Vereinsaktivitäten genauso Berücksichtigung finden, wie absehbare Entwicklungen im Trendsport.

Vielen Dank für das Interview.
Das Gespräch wurde geführt von Lüder Hoppe

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